Motorüberholung

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Motorüberholung

Beitragvon Lasse » Montag 14. Dezember 2015, 18:34

Moin,

seit ich meine 99er @ vor einigen Jahren verkauft habe, überlege ich immer mal wieder, nochmal eine oldschool 640er in blau-orange zu kaufen. Die meisten angebotenen Modelle haben aber meist > 60tkm auf dem Puckel, und meine Idee wäre, einfach so ein Teil zu kaufen (sofern die Peripherie noch ok ist) und den Motor komplett überholen zulassen. Hat jemand hier so etwas schon mal durchführen lassen und kann mir einen groben Preisrahmen nennen ? Ich denke so an Zylinder ausschleifen lassen, neuen Schmiedekolben, Kopf nebst Ventilsitzen überholen und die wichtigsten und vulnerabelsten Lager erneuern lassen, zB NW Lager, Getriebeausgangslager und die üblichen Verdächtigen. Was muss noch mit gemacht werden?

Grüsse Lasse (zur Zeit 1190r - sieht doof aus - fährt gut )
Lasse
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Berg_Zwerg » Montag 14. Dezember 2015, 18:50

Hallo
Das ist ne Gute idee, ich wünschte ich hätte das so gemcht!
Meine hab ich mit 30000 gekauft und dachte alles Super, da nehm ich lieber die n bissl teurer is. bei 31000 kam dann die Revsion...
zahlt man doppelt ...
aber so ne Revision da bist mit 1500 - 2000 Euro dabei, jenachdem was alles im Eimer ist auch mehr! aber dann muss es echt Viel sein.
Ich würde mich an die "Grossen" Tuningwerkstätten halten, z.b den JF dann sagst dem er soll den Motor auf Langlebigkeit Trimmen, dann hast nachher Ruhe.
Lg Sam
Berg_Zwerg
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Ralf Kiefer » Montag 14. Dezember 2015, 20:00

Lasse hat geschrieben: Ich denke so an Zylinder ausschleifen lassen, neuen Schmiedekolben, Kopf nebst Ventilsitzen überholen und die wichtigsten und vulnerabelsten Lager erneuern lassen, zB NW Lager, Getriebeausgangslager und die üblichen Verdächtigen. Was muss noch mit gemacht werden?

Zylinderausschleifen ist zu vermeiden, denn die Nikasilbeschichtung ist teuer. Glaub's mir :-( Bevor Du Kolben und Zylinder instandsetzen möchtest, schau sie Dir gut an. Evtl. ist das gar nicht nötig. Oder überfällig. Es kommt drauf an, was vorher mit dem Motor passiert ist.

Anzuschauende Teile:
- Getriebelager, insbesondere natürlich das hinter dem Kupplungskorb. Wenn das ein Kugellager ist, dann unbedingt Tausch gegen Rollenlager.
- Nockenwellenlager: auf Verdacht tauschen.
- Kurbelwellenlager inkl. Pleuellager: von einem guten Auskenner beurteilen lassen. Die Pleuellager kosten bei KTM um die 300 aktuelle, griechische Währungseinheiten, AFAIK. Dazu muß die Kurbelwelle getrennt und anschließend ordentlich verpreßt werden. Das macht KTM in Mattighofen ganz gut.
- Ölpumpen: die sind wahrscheinlich "fällig", Preis pro Pumpe 25 - 30 griechische usw.
- Kupplungsbeläge, ggf. Reibscheiben: nach Bedarf. Die Kupplungsfedern auf jeden Fall tauschen, und zwar gegen die stärkeren "Rallye-Federn".
- Getriebezahnräder: bei Bedarf und Pitting, was ziemlich wahrscheinlich ist.
- Ausgleichswelle: Lager vor Motorzerlegung anhören, ggf. mit Stethoskop.
- Anlassserfreilauf: anschauen. Im Anlasser ggf. nach den Kohlen schauen, ob die noch meßbare Länge haben und freigängig in ihrer Führung sind.
- Schaltmechanik: pingelig anschauen, wenn der Motor schon offen ist. Tausch nur nach Bedarf.
- Steuerkette: typischerweise unauffällig, Kettenspanner anschauen.
- Nockenwelle: die hält normalerweise, natürlich trotzdem anschauen.
- Umlenkhebel: unbedingt die Stempel anschauen, die auf die Ventile drücken. Wenn die nicht leichtgängig sind, natürlich gleich alle tauschen.
- Ventilsitze und Ventile: wenn kein großer Schaden am Motor war, kann der gute Schrauber die Sitze leicht nachschleifen. Das reicht.
- Wasserpumpe und Dichtring: letzterer wird getauscht, Wasserpumpe und Welle bei Bedarf.

Wenn Du schon den Kopf in der Hand hältst, empfiehlt sich dabei eine kleine, optimierende Maßnahme: die Kanäle sind ab Werk nicht so toll in ihrer Oberflächenbeschaffenheit. Bei meinem Zylinderkopf war z.B. der Trennsteg im Einlaß grauenhaft aus der Gußform gefallen. Das kann man mit dem Dremel ein bißchen optimieren. Ebenso habe ich die wichtige Stelle für die Ölversorgung vom Kopf optimiert: der Kanal zwischen Steuerkettenschacht und Ventiltrieb dient dazu, das von der Steuerkette abgeschleuderte Öl nach rechts zum Ventiltrieb zu führen. Wie gesagt: bei meinem Zylinderkopf waren die Gußformen nicht toll.

Falls der Zylinder leichte Laufspuren hat, kann ein guter Motoreninstandsetzer den ein bißchen hohnen. Z.B. ABP kann das. Die liefern auch gleich den passenden Kolben mit. Ich hatte mich dort für einen leichteren als original KTM entschieden: 240g statt 320g. Empfehlenswert :-) Nur über die Langlebigkeit kann ich nichts sagen. Aber dafür über das Drehvermögen zwischen 6000/min und Drehzahlbegrenzer :-)

Gruß, Ralf
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Lasse » Montag 14. Dezember 2015, 21:37

Danke Ihr zwei ...

@ Ralf ... puh, ganz schön lange Liste. Passt das denn dann noch mit den 1.5-2.0 kilo AGW's ?

Wenn man sich so eine 640er Oma kauft, rechne ich per se ja schon mal mit 250 für neue Reifen und Schläuche, ca. 300 Fahrwerksüberholung, 80 Batterie, dazu möglicherweise LKL und Schwingenlager. Vergaserrzerlegung umd Revision plus Kettenkit wahrscheinlich auch. IMO ist meist auch fällig und optische Retuschen sind noch nicht eingerechnet.

@ Sam : Spezialist auf jeden Fall. Würde im Positivfall zu Udo Sommer gehen. Aber bevor ich den mit fragwürdigen Projekten löchere, brauche ich erstmal Übersicht.
Lasse
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Ralf Kiefer » Montag 14. Dezember 2015, 22:47

Lasse hat geschrieben:@ Ralf ... puh, ganz schön lange Liste. Passt das denn dann noch mit den 1.5-2.0 kilo AGW's ?

Ich habe probiert eine möglichst vollständige Liste zu machen. Ich habe sicher was vergessen, aber Stefan meldet sich noch zwecks Ergänzung :-)

Ich habe Dir alles aufgelistet, wo nach meinem kurzen "Gehirnsturm"[tm] was lauern könnte.Wenn Du einkaufen gehst, wirst Du einen drehenden Motor vorfinden, den Du Dir in aller Ruhe anhören kannst. Fährst Du erstmal ein paar Tage, um z.B. herauszufinden, wieviel Öl sie braucht, welche Geräusche sie von sich gibt, usw., dann erhältst Du einen Eindruck, was Dich nach dem Öffnen vom Motor erwarten kann. Sinnvoll könnte vor dem Kauf sein, die Ölablaßschrauben rauszudrehen, um am Magnet zu schauen, welche Sorten Späne dran sind. Das geht ja recht einfach: Tank fast leerfahren, auf die Seite legen, beide Schrauben raus. Dabei verliert sie fast kein Öl.

Lasse hat geschrieben:Wenn man sich so eine 640er Oma kauft, rechne ich per se ja schon mal mit 250 für neue Reifen und Schläuche, ca. 300 Fahrwerksüberholung, 80 Batterie, dazu möglicherweise LKL und Schwingenlager. Vergaserrzerlegung umd Revision plus Kettenkit wahrscheinlich auch. IMO ist meist auch fällig und optische Retuschen sind noch nicht eingerechnet.

Wenn Du gar nichts selbermachen kannst oder willst, wird's durchaus ein Projekt, bei dem man die Wirtschaftlichkeit nicht hinterfragen sollte. Das Schöne an einer LC4 ist allerdings, daß man viele Sachen selbst machen kann. Gabelholme und Federbein sind schnell ausgebaut, um sie dem Schrauber in die Hand zu drücken. Danach ist der Aufwand gar nicht groß sich das LKL anzuschauen. Das habe ich bei meiner übrigens zum 1. Mal nach 13 Jahren gemacht. Da war noch ordentlich Fett drauf. KTM ist halt nicht Honda :-) Ich habe trotzdem frisches Fett rein. Zum Schwingenlager: hat das überhaupt schon mal einer wechseln müssen? Diese Lager gehören zur sehr pflegeleichten Sorte an einer LC4. Anders sieht's bei den Lagern im Umlenkhebel aus, weil der Schmiernippel nur eins von dreien erwischt.

Was Batterie angeht: schau bei den Ebay-Händlern!

Kettensatz: den kannst Du Dir bequem vor dem Kauf anschauen. Wenn der nicht total abgefahren aussieht, würde ich bei einer Gebraucht-LC4 genau das Kettenschloß wechseln, wenn der Satz schon einige Mm runter hat. Mehr nicht.

Auf den Vergaser würde ich bei der Probefahrt achten. Bei den DellOrto schlägt gerne das Vergasergehäuse statt dem Schieber aus. Berlusconi-Ware, was will man da erwarten? Bemerkbar machte sich das bei meinem mit kurzem Hängenbleiben des Schiebers beim Öffnen und Schließen. Neu kostet der Vergaser um die 250 griechische usw. Nicht bei KTM, sondern beim Vergaserhändler. Aber normalerweise ist der nicht so hinüber, daß man den spontan wechseln muß.

Ansonsten mache möglichst viel selbst, z.B. Motor ausbauen. Das kostet beim Schrauber relativ viel, weil's Zeit braucht, aber trotzdem eine recht einfache Sache ist.

Rechne bei einer Revision noch etwas Aufwand, Zeit und Geld für den Kabelbaum ein! Wenn Du Stecker preisgünstig brauchst statt einen fertigen Kabelbaum zu kaufen, melde Dich. BTW ich baue meiner demnächst einen komplett neuen Kabelbaum. Geringfügig modifiziert, teils abgespeckt und teils erweitert.

Gruß, Ralf
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Lasse » Dienstag 15. Dezember 2015, 14:09

Hallo Ralf,

bei der Lc4 traue ich mir schon zu, die Gabelrohre und das Federbein selbst auszubauen. Motor sollte auch gehen, es ist ja keine LC8 (da habe ich es seinerzeit beim Dealer machen lassen)

Betriebswirtschaftlich gesehen wäre es wahrscheinlich besser, sich eine späte 2005er mit wenig KM zu kaufen, aber der Charme der blau-orangenen fehlt irgendwie. Meine "Alte" lief mit Dell'orto Gaser und DAM wie Schmidt`s Katze.

Gut für mich, dass Herr Sommer in 12km Luftlinie residiert - der wäre schon mal der Richtige für Fahrwerk und ggf. auch Motor.
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Happe » Dienstag 15. Dezember 2015, 14:23

Moinsen,

Ralf's Liste ist schon recht gut.

NW Lager immer tauschen.
Kipphebelrollen anschauen und NW anschauen ob Pitting sichtbar ist..
Kipphebel Achsen checken und Spiel kontrollieren.
Bild Bild Bild
Wie Ralf sagt, die Grate im Kopf weg dremeln damit die Oelversorgung zum Ventieltrieb verbessert wird.


Zylinder:
Mein Dealer hat(te) immer ein paar ueberholte Zylinder am Lager.
Er schickte diese zu KTM in Mattighofen, dort ist die Nikasilschicht entfernt worden, ggf riefen aufgeschweisst und neu gebohrt worden, dann neu beschichtet.
Preis ca. £120.- / €160.-
Hatte allerdings einen Zylinder mit so tiefen Riefen das selbst KTM kapituliert hat.

Pleullager habe ich die letzten Male von Hot Rods in USA geholt und mein Dealer hat sie eingepresst und gewuchtet.
Wenn der Motor eh offen ist tausche alle Lager und Oelpumpen.
Bild
Lager kannst Du beim Lagergrosshandel besorgen, bis auf zwei soweit ich mich erinnern kann.
Habe irgendwo eine Liste vom Torsten mit den Lagernummern.

Ansonsten wie Ralf schon sagte.
Mach soviel wie moeglich selbst, ausbauen und so weiter.
A. Spart eine Menge Geld
B. Wenn auf Reisen was passiert weisst Du wie du vorgehen musst
C. Optimiere Dein Reise Werkzeugset. Sieh zu das alle Schrauben mit mit so wenigen Schluesseln wie moeglich bearbeitet werden koennen.

Empfehlung:
Benutze KTM typische Schrauben. Sehr gute Qualitaet und kosten nicht viel.
Entweder von KTM oder die Bolts Packs oder Apico
Finger weg von VA!
Achte auf Drehmomente.

Federung:
Ist einfacher als Du denkst ;-)
Ich helfe momentan Samstags oft bei Torque Racing aus und mache oft Gabelservice. Gutes Gabeloel ist ein Muss. Motorex SAE5 ist perfect.
Stelle Compression & Rebound auf Standard. Hab sehr oft nun schon Leute gehabt die mit den Settings rumgespielt haben und nachdem wir die Gabel gewartet hatten und alles auf Standard gestellt haben, waren diese hell auf begeistert.

LKL.
Wenn es keine fuehlbaren Stellen hat einfach neu fetten und gut.

Umlenkung:
Fetten Fetten, Schmiernippel tauschen. Die sind meist komplett verkrustet.
Bild
Bild
Die Lager am Rahmen unbedingt schmieren. Die sind ab Werk meist trocken und niemand macht sich die Muehe diese zu warten. Wahrscheinlich muessen die auch gewechselt werden.
Bild

Vergaser:
Dellorto ist Muell, Sorry Ralf.
Fuer Reisen bleib beim BST. Schieber, Membran, Duesennadel und Nadelduese verschleissen gerne.
Ansonsten Keihin FCR

cu
Stefan
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Re: Motorüberholung

Beitragvon el_heinzo » Dienstag 15. Dezember 2015, 17:58

Respekt für eure Listen. Hat wer schon mal probiert zusätzliche Schmiernippel an zu bauen?
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Ralf Kiefer » Dienstag 15. Dezember 2015, 18:26

el_heinzo hat geschrieben:Respekt für eure Listen. Hat wer schon mal probiert zusätzliche Schmiernippel an zu bauen?

Meinst Du den "Knochen"? Ja, habe ich schon gesehen. Allerdings kenne ich das Langzeitergebnis nicht.

Ich baue das Teil lieber ab und zu aus, schaue rein und haue eine Ladung Fett rein, je nachdem, wieviel Wasser und Schlamm sie gesehen hat.

Gruß, Ralf
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Re: Motorüberholung

Beitragvon Lasse » Mittwoch 16. Dezember 2015, 07:33

Danke an Happe und die Herren ! Ich halte mal die Augen auf nach einem geeigneten Objekt und werde weiter berichten. Buchhalterisch überschlagen sollte die Peripherie schon noch halbwegs intakt sein, damit man nicht die 5000er AGW Grenze übersteigt ;-(
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